Montag, 15. April 2013

Mit dem Zug durch Vietnam 1 - Saigon, Mui Ne, Nha Trang, Dieu Tri, Hoi An

In Thailand wurden unsere Schienenambitionen ja bereits nach einer Etappe von höherer Gewalt gestoppt. Dabei wollten wir es jedoch nicht belassen und dieser Art der Fortbewegung noch eine zweite Chance geben. Und wo würde sich eine Bahnreise mehr anbieten, als in einem der letzten kommunistischen Länder unserer Erde?

Wie erwähnt, haben wir unsere Tickets für die Weiterreise bereits am ersten Tag in Saigon erstanden. Im Nachhinein wohl ein Fehler, denn somit war unser Abschied nach drei Tagen vorprogrammiert. Wir hätten  dort mit Leichtigkeit noch einige ausgehalten... Drei Tage im Voraus zu planen ist also eindeutig zu viel!

Wir haben uns für den Morgenzug nach Phan Thiet entschieden und im nahen Küstenort Mui Ne ein tolles Hotel via Internet gebucht. Phan Thiet? Mui Ne? Nie gehört? Wir auch nicht... deshalb erst mal eine kleine Karte. Zur besseren Orientierung:

Von Saigon der roten Linie folgend, werden wir uns Schritt für Schritt bis Hanoi hocharbeiten! (Copyright: seat61.com)
Um 06:30 Uhr saßen wir auf unseren Plätzen. Die Klimaanlage leistete mehr als ganze Arbeit (uns war erstmals seit langem zu kalt!) und die ca. vierstündige Fahrt verging wie im Flug. Wir waren sehr zufrieden mit der Vietnamesischen Bahn. Einziges Problem: Im Gegensatz zu Thailand, ist hier in Zügen die Durian / Jackfruit / "Stinkefrucht" erlaubt. Und die Passagiere machen von diesem Recht auch leider reichlich Gebrauch...

Gar nicht ungemütlich!
Wir entfernten uns vom Mekong Delta und steuerten in Richtung Osten auf die Küste zu. Je näher wir unserem Ziel kamen, desto öfter sahen wir anstatt Wald und Reisfeldern komische Plantagen mit kaktusartigen Gewächsen, die an Betonstützen angebunden waren. Bei der ersten Sichtung der dazugehörigen Früchte, ging uns ein Licht auf.

So sieht also "die Mutter" der Pitahaya / Drachenfrucht aus!
Vom Bahnhof in Phan Thiet ging es mit dem Taxi weiter nach Mui Ne. Das "La Marina  Hotel" hatte erst vor zwei Monaten eröffnet und war ein kleiner Traum. Hier mieteten wir uns für drei Nächte ein.

Wunderschön!
Sogar mit Strandblick! Um 11 Euro!
Leider war der nahe Strand nicht sonderlich reizend und der hoteleigene Pool erst in Planung. Also musste ein fahrbarer Untersatz her! Steffi wollte sich aber nicht recht mit dem Gedanken anfreunden, auf Vietnams Straßen mit einem Moped unterwegs zu sein. Eh verständlich! Sie ist noch jung und hängt an ihrem Leben! Als sie jedoch "ihren" Helm zu Gesicht bekam, konnte es losgehen!

Ein Helm mit Glücksbringer drauf! Da kann gar nichts schiefgehen!
Als wir dann die Umgebung erkundeten, kamen wir uns vor, wie in Sölden: Überall russische Reklamen, Speisekarten und Übersetzungen! Und: Überall Russen! Da ich mittlerweile sowas von aufgeschlossen und tolerant bin, wird dieses Thema nicht weiter vertieft!

Wir fanden dann auch echte Traumstrände! Bzw. sahen wir diese von der Straße aus. Ein Näherkommen wurde von den lückenlos aufgestellten Resorts verhindert. Trotzdem genossen wir die Fahrerei und überstanden sie unverletzt.

Man beachte die "runden Boote"! Gibt´s sogar mit Motor! Hydrodynamisch aber eher wertlos...
Nach drei Tagen ging es zurück zum Bahnhof und mit dem Zug weiter nach Nha Trang.

Zug fährt ein! Bitte zurücktreten!
Diese Strecke führte uns nun erstmals direkt an der Küste nach Norden. Der Ausblick erinnerte uns teilweise an die Garden Route in Südafrika. Mit dem Bus oder gar dem Flugzeug, gibt es sowas wohl eher nicht...

Zugfenster! Kein TV!
Doch nicht nur das Auge kam auf seine Kosten! Auch für das leibliche Wohl ist in den Zügen bestens gesorgt! Service wie im Flugzeug, Preise wie am Straßenrand!

Die Stewardess...
...und ihr Essen!
Lecker war´s!
Nha Trang hat uns dann überrascht! Eine Stadt mit tollem Strand und direkt daneben ein Hochaus nach dem anderen! Erwartet man so irgendwie auch nicht in Vietnam!

Blick vom obersten Stock unseres Hotels.
Da gab´s auch einen Pool.
Zusätzlich noch ein Lift mit Gondeln zur nächsten Insel! Und die dazugehörigen Stützen leuchteten bei Dunkelheit wie viele kleine Eiffeltürme.

Mit der Gondel über´s Meer?!
Am Strand wurden ständig gewaltige Seafood-Platten für wenig Geld angeboten und wir konnten einfach nicht widerstehen! Hummer, Krebse, Muscheln, Garnelen, Meeresschnecken, Tintenfisch,... über offenem Feuer zubereitet und auf Planen am Strand verspeist!

Kann man da nein sagen?!
Nur einer von drei Tellern!
Genossen auf einer Plane am Strand!
Die Strafe für diese Maßlosigkeit bekam ich dann um vier Uhr morgens präsentiert: Montezumas Rache! Oder die seines südostasiatischen Alter Egos! Der letzte Tag in Nha Trang gestaltete sich für mich somit etwas unangenehm. Komischerweise fehlte Steffi gar nichts. Ich vermute daher entweder die Schnecken (diese lehnte Steffi dankend ab) oder die beiden Long Island danach als Auslöser.

Am Abend wurde es etwas besser und um meinen gebeutelten Magen zu schonen, gingen wir erst mal indisch essen!

Auf speziellen Wunsch einer besonderen Leserin noch ein Doppelporträt
Weiter ging es dann (wieder mit dem Zug natürlich) nach Dieu Tri. Hier verbrachten wir nur eine Nacht in einem Hotel in Bahnhofsnähe, um aus einmal neun Stunden Fahrt zweimal viereinhalb zu machen.

Aber auch hierzu gibt es eine Geschichte: Wir wussten, dass das Hotel ca. 1,5 km entfernt und "ungefähr links vom Bahnhof" liegen müsste. Bevor wir dorthin aufbrechen konnten, wollten wir gleich das Ticket für den nächsten Tag kaufen. Das war aber fast unmöglich, weil wir sogar am Ticketschalter von Taxifahrern belagert wurden, die uns in das eigentliche touristische Ziel am Meer (Qui Nhon) in 10 km Entfernung bringen wollten. Natürlich boten sie uns tolle Fixpreise für die kurze Fahrt an. Einfach nur nervtötend!

"This hotel? 70.000!"
"No! Only switch on your meter!"
"Meter no good! 60.000!"
"No! We only take a taxi with meter!"
"50.000?!"
"M-E-T-E-R!!!"
"Ok!"

Also wurden wir zu einem Fahrer gebracht, der noch massig Zusatzinformationen von dem "Vermittler" bekam, dann konnte es losgehen. Wie gesagt, wir haben uns die Lage des Hotels am Vorabend auf Google Maps angeschaut und wussten ungefähr, wo es lag. Bei Dunkelheit hätten wir es aber wohl alleine nicht gefunden.

Als der Fahrer an der Hauptstraße in die falsche Richtung abbog, wurden wir leicht nervös. Als er nach 500 m einen U-Turn hinlegte und in die richtige Richtung fuhr, platze mir der Kragen. Schon im Taxi habe ich ihm in aller Deutlichkeit gesagt, dass das eine Schweinerei sei und ich den Preis nicht bezahlen werde. Er deutete immer nur nach vorne und stammelte "Hotel!" Beim Hotel angekommen zeigte das Taximeter dann 67.000 Dong an. Anfangs wollte er diese auch noch haben.

Ich schickte Steffi mit dem Gepäck rein (nicht, dass er damit abhaut!) und drehte auf (oder durch?!). Alle englischen Schimpfwörter, die mir auf die Schnelle einfielen, warf ich ihm an den Kopf. Ich erklärte ihm die Situation und, dass er trotz plötzlich verschwundener Englischkenntnisse genau wisse was ich meine. Recht Lautstark anscheinen, denn Steffi eröffnete mir später, dass sie mich noch nie so erlebt habe.

Schlussendlich fragte ich ihn, was er nun wolle. Das Taximeter war auf einmal erloschen. Er grinste nur noch verlegen, also hielt ich ihm 30.000 Dong hin. Er nahm sie, stieg in sein Taxi und ward nicht mehr gesehen.

Die Nacht verbrachten wir dann in Angst vor der "Taximafia" und den Weg zum Bahnhof am nächsten Morgen marschierten wir. Sicher ist sicher!

Wir kamen dann problemlos an der lauernden Meute vorbei in den Bahnhof und auch in den Zug und genossen die Fahrt.

Zug fahren hat einen ganz gewaltigen Reiz. Man kommt wirklich in unmittelbare Nähe der Einheimischen, ist am Anfang eine kleine Attraktion und wird nach einer gewissen Zeit in deren Mitte aufgenommen. Da passiert es schon mal, dass einem ein Nachbar Unmengen an Zuckerrohrstücken in die Hand drückt und einem erklärt, wie man diese auszusaugen hat (lecker!). Oder, wie bei uns auch üblich, dass einen ältere Damen bitten, mit dem Gepäck zu helfen. Mittendrin statt nur dabei!

Und immer wieder fantastische Ausblicke!
Auch lustig zu beobachten war das Katz und Maus Spiel der "illegalen Verkäuferinnen" mit dem Zugpersonal. Neben den "echten" Verkäufern, preisen in den Zügen auch Passagiere ihre Waren an. Von getrocknetem Fisch über Obst bis Knabberzeug, wird alles angeboten. Aber nur solange sich kein Schaffner in der Nähe befindet. Sobald einer erblickt wird, springen die Damen auf den nächsten freien Platz oder auch mal einen Schoß und setzen ihr unschuldigstes Gesicht auf.

Mmmmhhh... getrockneter Tintenfisch!
Mittlerweile sind wir über Danang nach Hoi An gekommen. Anscheinend mit einer tollen asiatischen Altstadt. Diese werden wir aber erst ab morgen genauer unter die Lupe nehmen. Wahrscheinlich mit unseren im Zimmerpreis inbegriffenen Fahrrädern!

Mehr dazu in Kürze!

Steffi und Skrivi

Kommentare:

  1. Hey Freunde ! Der Blog hat aber dauert diesmal ! :-) Ihr seids ja schliesslich ned nur zum Faulenzen am Weg ! All the Best Ganja

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    1. Sorry Ganä! Wird nicht wieder vorkommen! Bin ja echt nicht zum Spaß unterwegs! Hab ich kurz vergessen...

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  2. Okay! Weils du bist ! Owa einreissen deafast ma des ned lassen !
    I moan i hab M und a dementsprechende Erwartungshaltung deiner Berichterstattung gegenüber! Is doch mal des Mindeste *TZTZTZTZ* ;-)

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